Am 18.11. durften wir Frau Isabella Chen, Projektkoordinatorin bei LEFÖ-IBF – Interventionsstelle für Betroffene des Frauenhandels, mit einem Vortrag über Frauenhandel und die damit zusammenhängenden Stereotypen, Vorurteile, Fakten und Rahmenbedingungen, begrüßen.

LEFÖ – Beratung, Bildung und Begleitung für Migrant*innen ist ein feministisch politischer Verein mit verschiedenen Arbeitsbereichen. LEFÖ-Interventionsstelle für Betroffene des Frauenhandels, gegründet 1998, ist im Auftrag vom Bundeskanzleramt – Sektion Frauen und Gleichstellung und vom Bundesministerium für Inneres als anerkannte Opferschutzeinrichtung für Betroffene des Frauenhandels tätig und bietet, gefördert durch das Justizministerium, psychosoziale und juristische Prozessbegleitung an. Die hauptsächliche Aufgabe von LEFÖ-IBF ist Betroffene vor weiterer Gewalt zu schützen, sie bei Erlangung ihrer Würde zu unterstützen und den Zugang zu Rechten zu sichern.[1]

Zu Beginn der Veranstaltung stellte Frau Chen die Frage in den Raum, was für ein Bild mit einer Betroffenen des Frauenhandels assoziiert wird und wies anschließend darauf hin, dass es weitaus facettenreicher ist, als das oft von den Medien propagierte Bild einer jungen naiven Frau, die in einen Teufelskreis aus Kriminalität, Gewalt und Prostitution gerät.

Menschenhandel kann Handlungen, wie Anwerbung, Unterbringung und Weitergabe umfassen und setzt gezielt Mittel wie Drohung, Täuschung, Gewalt und Machtmissbrauch ein. Er bezweckt jegliche Art von Ausbeutung – der Arbeitskraft, zur Bettelei, zu Straftaten und die sexuelle Ausbeutung, aber auch eine Organentnahme kann Folge des Menschenhandels sein. Menschenhändler nutzen die vulnerable Situation von Frauen und Mädchen aus und können in diesem Prozess zum Teil mit manipulativen Mitteln täuschen, wie beispielsweise durch die „Loverboy Methode“.

Ein Problem, das sich beim Menschenhandel ergibt, ist, dass Menschenhandel oftmals mit Schlepperei vermischt wird. Dabei besteht ein legaler Unterschied. Während es bei der Schlepperei darum geht, Menschen über eine Grenze zu bringen, ist das Ziel des Menschenhandels, Menschen am Ziel auszubeuten. Allerdings wird diese Differenz oft von der Medienberichterstattung missachtet und als Rechtfertigung für eine restriktive Migrationspolitik missbraucht.

Rechtliche Rahmenbedingungen zur Verhütung und Bekämpfung des Menschenhandels finden sich sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene. Es stellt sich allerdings die Frage, ob alle vorgesehenen Maßnahmen auch praktisch sinnvoll sind. So wird zum Beispiel für einen (dauerhaften) Aufenthalt in Österreich eine Kooperation des Opfers mit der Behörde vorgesehen, was allerdings eine Reihe an Konsequenzen für die Betroffene bedeuten kann, von möglicher Bedrohung durch die Täter*innen oder einer Retraumatisierung,

LEFÖ-IBF bietet bedingungslose Unterstützung für betroffene Frauen und Mädchen in solchen Situationen durch ein umfassendes Angebot an medizinischer, psychologischer, sozialer und rechtlicher Beratung, wenn möglich, in der Erstsprache an und das kostenlos und anonym. Dabei stehen die Bedürfnisse der Frau oder des Mädchens und ihre Rechte im Fokus, was bedeutet, dass sie in der Durchsetzung ihrer Rechte, wie etwa auf Entschädigung, Aufenthalt, Rückkehr und auf Schutz vor weiteren Menschenrechtsverletzungen, unterstützt werden. Weitere Angebote sind Begleitungen zur Polizei und zu anderen Behörden.

Zusammenfassend kann man sagen, dass Frauenhandel ein komplexes, grenzüberschreitendes Problem ist, das zu ihrer Bewältigung vor allem auch einer effizienten Betreuung und Ermächtigung der betroffenen Frauen bedarf – sowohl präventiv, als auch in konkreten Fällen – und es zu wünschen bleibt etwaige Integrationsversuche der Betroffenen nicht durch politische Maßnahmen zu konterkarieren.

 

[1] Frau Chen erwähnte auch die Einrichtung MEN VIA, die Unterstützung und Betreuung für Männer anbietet, die von Menschenhandel betroffen sind.

 

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