Von Frauen geführte Haushalte in Sudan mit dreifach höherem Risiko schwerer Ernährungsunsicherheit
Port Sudan: Während sich die humanitäre Krise im Sudan mit zunehmender Hungersnot und eskalierenden Konflikten weiter verschärft, tragen Frauen und Mädchen die Hauptlast. Ein neuer Bericht, Gender Snapshot: Women, Food Insecurity, and Famine Risk in Sudan, zeigt, dass von Frauen geführte Haushalte dreimal so stark von schwerer Ernährungsunsicherheit betroffen sind wie von Männern geführte Familien.
Laut dem Bericht können 75 % der von Frauen geführten Haushalte ihre grundlegenden Nahrungsmittelbedürfnisse nicht decken, und die schwere Ernährungsunsicherheit hat sich innerhalb eines Jahres fast verdoppelt. Nur 1,9 % dieser Haushalte gelten als ernährungssicher, im Vergleich zu 5,9 % der von Männern geführten Haushalte. Außerdem erfüllen 73 % der Frauen landesweit nicht die Mindestanforderungen an Ernährungsvielfalt, was die Gesundheit von Müttern und Kindern gefährdet.
Diese Krise wird durch strukturelle Geschlechterungleichheiten angetrieben, die sich durch Konflikt und Vertreibung noch verschärfen. Immer mehr Frauen stehen an der Spitze von Haushalten – oft, weil männliche Angehörige getötet wurden oder verschwunden sind – und stoßen dabei auf die größten Hürden beim Zugang zu Nahrung, Einkommen und Hilfsleistungen.
„Da die Bedingungen in mehreren Regionen des Landes mittlerweile fast den Hungergrenzwerten entsprechen, handelt es sich nicht nur um eine Ernährungskrise, sondern um einen geschlechterspezifischen Notfall, verursacht durch das Versagen geschlechtersensibler Maßnahmen“, sagt Salvator Nkurunziza, UN Women-Vertreter im Sudan.
„Frauen und Mädchen tragen die Hauptlast schwerer Ernährungsunsicherheit, mit weniger Ressourcen, geringerem Zugang zu Hilfe und größerem Risiko.“
Überall im Sudan betreiben von Frauen geführte Organisationen (WLOs) Gemeinschaftsküchen, verteilen Mahlzeiten und unterstützen vertriebene Familien, oft ohne ausreichende Finanzierung. Eine WLO, die in acht Bundesstaaten tätig ist, musste mehr als die Hälfte ihrer Küchen schließen, da die Mittel fehlen.
„Frauen sind nicht nur Opfer von Konflikten; sie sind auch mächtige Akteurinnen des Wandels“, so Nkurunziza weiter.
„Frauenorganisationen erreichen entlegene Gemeinden und retten Leben, bleiben jedoch unterfinanziert und von wichtigen Entscheidungsprozessen ausgeschlossen.“
Während sich die humanitäre Krise im Sudan weiter zuspitzt, verstärkt UN Women seine Unterstützung durch Partnerschaften mit WLOs, bietet gezielte Förderung und Mentoring für Basis-Frauengruppen und stellt sicher, dass Frauen aktiv an humanitären Maßnahmen beteiligt sind.
UN Women ruft humanitäre Akteure und Geber dringend auf:
- Von Frauen geführte Haushalte und besonders gefährdete Gruppen – einschließlich schwangerer und stillender Frauen sowie Mädchen im Jugendalter – in allen Nahrungsmittelhilfen zu priorisieren.
- Von Frauen geführte Ernährungsinitiativen mit flexibler, direkter und verlässlicher Finanzierung zu fördern und Frauenorganisationen auf allen Ebenen der humanitären Entscheidungsfindung einzubeziehen.
- Nahrungsmittelhilfe mit Schutz- und Wiederaufbaumaßnahmen zu verknüpfen, einschließlich Prävention geschlechtsspezifischer Gewalt und Förderung von Einkommensmöglichkeiten für Frauen.
UN Women bekräftigt seine Solidarität mit der Bevölkerung des Sudan und fordert ein sofortiges Ende der Feindseligkeiten. Die Organisation drängt die Konfliktparteien, an den Verhandlungstisch zurückzukehren und einen inklusiven Friedensdialog zu führen, um Stabilität wiederherzustellen und die Menschenrechte zu wahren.