Viele geflüchtete afghanische Frauen werden aus dem Iran und Pakistan, wo sie oftmals seit Jahren leben, ausgewiesen. Nun kämpfen sie in ihrer neuen alten Heimat um den Wiederaufbau ihres Lebens.
Viele der Frauen und Mädchen, die täglich nach Afghanistan zurückkehren – viele davon unter Zwang –, wurden im Iran geboren oder haben dort jahrelang gelebt. Einige haben keine Wurzeln in Afghanistan, keine Familie und kein Sicherheitsnetz, das ihnen beim Wiederaufbau ihres Lebens helfen könnte. Sie benötigen sofortige humanitäre Hilfe und nachhaltige Unterstützung, um in Gemeinden, die bereits unter starkem wirtschaftlichem und ökologischem Druck stehen, einen Neuanfang zu wagen. Foto: UN Women/Sayed Habib Bidell
Das Klopfen an der Tür veränderte für Noorjahan* und ihre Familie über Nacht alles. Die 26-jährige Afghanin hatte in den letzten zwei Jahren mit ihrem Mann und ihren drei kleinen Söhnen – heute neun, acht und sechs Jahre alt – im Iran gelebt. Sie waren auf der Suche nach Arbeit dorthin gezogen, um ihr Leben neu aufzubauen, nachdem ein Feuer ihr Zuhause in Afghanistan zerstört hatte. Nun war die Polizei gekommen, um sie zurückzuschicken.
„Sie haben uns verhaftet und in ein Abschiebelager gebracht“, erinnert sich Noorjahan. Nach zwei Nächten im Lager und vier langen Reisetagen kehrte die Familie nach Afghanistan zurück – ohne Hab und Gut.
„Wir haben nicht einmal genug Geld, um Gas zum Kochen zu kaufen. Es ist wirklich schwer, wenn man nichts zu essen und keinen Platz zum Leben hat,“ erzählte sie während sie sich in einem Frauenzentrum in Khadestan nahe der iranischen Grenze befand. Das Zentrum wird von UN Women unterstützt und von der Internationalen Organisation für Migration (IOM) betrieben. Es bietet Frauen und Mädchen, die aus dem Iran zurückkehren oder innerhalb Afghanistans vertrieben wurden, einen sicheren Ort und Gesundheitsdienste, darunter eine Hebamme sowie psychologische und psychosoziale Unterstützung.
„Wir haben alles zurückgelassen“
Hadia*, eine weitere afghanische Frau im Zentrum, war ebenfalls kürzlich nach Afghanistan zurückgekehrt, nachdem sie sechs Jahre lang mit ihrem Mann und ihren vier Kindern, die jetzt 11, neun, acht und zwei Jahre alt sind, im Norden Irans gelebt hatte. Obwohl sie es geschafft hatten, etwas Geld zu sparen und die Miete im Voraus zu bezahlen, zwangen sie der zunehmende Druck und die Androhung von Verhaftungen zur Abreise. Ihr Vermieter weigerte sich, die im Voraus bezahlte Miete zurückzuzahlen.
„Jetzt haben wir nur noch die Kleidung, die wir am Leib tragen, weil wir es uns nicht leisten konnten, unsere Habseligkeiten mitzunehmen“, sagte Hadia.
Das Leben in Afghanistan sei besonders hart für Frauen, erklärte sie. „Männer schränken uns ein und setzen uns ständig unter Druck, uns strikt an [die Kleiderordnung für Frauen] zu halten“, sagte sie. „Was wir hier dringend brauchen, sind Nahrung, Unterkunft und vor allem Seelenfrieden.“
Sie war auch zutiefst besorgt um die Zukunft ihrer Kinder, zwei Töchter und zwei Söhne.
„Ich hatte vor, sie letztes Jahr hierher zu holen, aber ich machte mir Sorgen um ihre Ausbildung“, sagte sie. „Wenn sie [in Afghanistan] bleiben, werden sie wahrscheinlich genauso Analphabeten sein wie ich.“
Für afghanische Frauen und Mädchen, die nach Afghanistan zurückkehren, kann schon die Reise selbst heiß, unbequem und gefährlich sein. Viele reisen in Lastwagen und sitzen auf den Habseligkeiten ihrer Familien. Humanitäre Helferinnen, die sie an den Grenzübergängen unterstützen, berichten von Mädchen, die ohne ihre Eltern reisen, und von Frauen, die unterwegs vorzeitig Wehen bekommen. Foto: UN Women/Sayed Habib Bidell
„Sie haben uns trotzdem abgeschoben“
Auf der anderen Seite des Landes, nahe der pakistanischen Grenze, erzählen afghanische Rückkehrerinnen ähnliche Geschichten.
Bibi Hawa*, eine Afghanin, bei der nach einem Jahrzehnt in Pakistan kürzlich Krebs diagnostiziert wurde, musste nur 20 Tage nach ihrer Operation das Land verlassen. In den sechs Monaten vor ihrer Diagnose hatte die Schikane durch die Polizei ihren Mann daran gehindert, zu arbeiten, und sie mussten Geld für ihre Behandlung leihen.
„Mein Arzt riet mir, nicht zu reisen … aber die Polizei hat uns trotzdem abgeschoben“, sagte sie.
Sie durften ihre Habseligkeiten nicht mitnehmen. „Wir konnten nur zwei Taschen mit Medikamenten und meinen Krankenhausunterlagen mitnehmen“, fügte sie hinzu.
Jetzt lebt sie mit ihren beiden Töchtern im Alter von fünf und drei Jahren in der Provinz Kandahar und macht sich Sorgen um ihre Zukunft. „Ich habe gehört, dass es hier keine Schulen [für sie] gibt. Ohne Schulbildung wird ihre Zukunft düster sein“, sagte Bibi Hawa.
Hunderttausende zurückkehrende Frauen und Mädchen, benötigen humanitäre Hilfe
Seit September 2023 sind laut der Internationalen Organisation für Migration (IOM) mehr als 2,43 Millionen Afghanen ohne Papiere aus dem Iran und Pakistan zurückgekehrt. Allein in diesem Jahr sind mehr als 1,2 Millionen aus dem Iran zurückgekehrt.
Afghanen stehen in der Nähe der Stadt Islam Qala im Westen Afghanistans Schlange, um registriert zu werden und sofortige Hilfe zu erhalten, nachdem sie die Grenze zum Iran überquert haben. Die Temperaturen erreichen im Sommer Werte von über 30 Grad Celsius (etwa 99 Grad Fahrenheit). Frauen und Mädchen berichten, dass sie stundenlang in der Sonne und Hitze warten müssen. Foto: UN Women/Sayed Habib Bidell
UN Women arbeitet mit zivilgesellschaftlichen Organisationen, der IOM und anderen Partnern zusammen, um die unmittelbaren und längerfristigen Bedürfnisse von zurückkehrenden Frauen und Mädchen zu erfüllen, unter anderem durch frauenfreundliche Räume und Dienstleistungen wie psychosoziale Unterstützung, Schutz und Hilfe beim Lebensunterhalt.
UN Women unterstützt humanitäre Helferinnen, die an den Grenzübergängen und in den Gemeinden, in denen sich die Rückkehrer niederlassen, tätig sind, um Frauen und Mädchen kulturell angemessene und maßgeschneiderte Hilfe zu leisten.
Ohne humanitäre Helferinnen würden viele Frauen außen vor bleiben
„In Afghanistan gibt es viele Einschränkungen, die Frauen daran hindern, mit Männern zu interagieren“, erklärte Anouk Heili, humanitäre Expertin bei UN Women in Afghanistan.
„Wenn humanitäre Helferinnen nicht Teil der Hilfsmaßnahmen wären, würden zurückkehrende Frauen und Mädchen völlig außen vor bleiben – sie hätten überhaupt keinen Zugang zu Informationen oder Dienstleistungen.“
In Takhta Pul, einer staubigen Ebene nahe der pakistanischen Grenze, helfen humanitäre Helferinnen den Rückkehrerinnen dabei, sich für ihren nationalen Personalausweis zu registrieren – den viele nicht haben – und Zugang zu Hilfsleistungen zu erhalten. Ohne einen nationalen Personalausweis kann es schwieriger sein, humanitäre Hilfe, Wohnraum, Schulen für ihre Kinder und sogar SIM-Karten zu erhalten.
Eine Frau, die dort arbeitet und von UN Women unterstützt wird, sagte:
„Frauen erzählen ihre Geschichten, von den Reisen, die sie unternommen haben, und den Strapazen, die sie erdulden mussten … Die meisten haben ihre Häuser verlassen und oft ihre Kinder zurückgelassen. Als afghanische Frauen können wir ihre Notlage nachempfinden.“
Wenn man alles verloren hat, sind Beziehungen wichtig
Für afghanische Frauen und Mädchen, die in ein Land in der Krise zurückkehren, ist das Trauma tiefgreifend. Jetzt sehen sie sich mit Unsicherheit und einem täglichen Kampf ums Überleben konfrontiert. Unter diesen Umständen ist es von unschätzbarem Wert und unerlässlich, von anderen Frauen, die ihre Probleme verstehen, gehört und unterstützt zu werden.
Helfen Sie afghanischen Frauen und Mädchen
Afghanische Frauen und Mädchen sind mit der weltweit schwersten Krise der Frauenrechte konfrontiert.
Vier Jahre nach der Machtübernahme durch die Taliban haben ihnen zahlreiche Einschränkungen ihre Rechte und Würde genommen, und keine einzige davon wurde rückgängig gemacht.
UN Women ist vor Ort und unterstützt afghanische Frauen dabei, ihre dringendsten Bedürfnisse zu befriedigen und ihre Rechte zu schützen. Aber ohne Ihre Hilfe können wir das nicht schaffen.