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Frauen und Mädchen in Afghanistan brauchen unsere Unterstützung

Die folgende Erzählung stammt aus dem von UN Women initiierten digitalen Raum „After August“ und wurde auf Deutsch übersetzt. Die Originalerzählung finden Sie hier. 

Frauen und Mädchen in Afghanistan haben seit der Machtübernahme der Taliban im August 2021 drastische Einschränkungen ihrer Rechte erfahren. Sie sehen sich strengen Beschränkungen in den Bereichen Bildung, Arbeit, reproduktive Rechte und vielen weiteren Lebensbereichen gegenüber. Trotz dieser gewaltigen Hürden zeigen afghanische Frauen weiterhin bemerkenswerte Widerstandskraft und Mut.

„After August“ ist ein digitaler Raum, der genau diese Widerstandskraft dokumentiert. Er teilt die Erfahrungen afghanischer Frauen, die im heutigen Afghanistan leben und gegen diese Unterdrückung kämpfen. Es ist eine Gegenerzählung zu den Maßnahmen der Taliban, die darauf abzielen, afghanische Frauen unsichtbar zu machen.

Das ist Linas Geschichte:

,,Frauen wollen Seite an Seite mit Männern arbeiten. Frauen wollen das Recht haben, Entscheidungen zu treffen – nicht nur in ihren Familien, sondern auch in der Regierung und in anderen Bereichen.“

Foto: Afteraugust.org

Lina* ist eine 26-jährige Journalistin aus Farah, die an einem Pilotprogramm von UN Women teilnimmt. In diesem Programm werden Frauen als Community Volunteers ausgebildet, um Frauen in ganz Afghanistan zu befragen, ihre Anliegen zu sammeln und ihre Bedürfnisse, Prioritäten und Empfehlungen an die internationale Gemeinschaft und die De-facto-Behörden (DFA) weiterzugeben.

„Ich habe Journalismus studiert und sieben Jahre lang als Journalistin gearbeitet – darunter fünf Jahre vor der Machtübernahme –, in den audiovisuellen Medien, als Reporterin für eine Zeitung und auch bei einem Radiosender.

Nach der Machtübernahme habe ich etwa ein Jahr lang Abstand von meiner Arbeit genommen. Ich wurde zwar nicht direkt bedroht, aber ich hatte Angst wegen der Art und Weise, wie die DFA Frauen behandelten.

Ich bin bei UN Women eingestiegen, als ich im vergangenen September an einem Storytelling-Training teilgenommen habe. Ich habe viel darüber gelernt, wie man Interviews führt und professionell Geschichten erzählt. Für die Website After August habe ich die Geschichte einer ehemaligen Offizierin geschrieben. Das war eine Chance, durch die ich Neues lernen und mehr tun konnte.

Nach dem Training wurde ich beauftragt, nach den Erdbeben im Westen Afghanistans im Oktober Frauen zu interviewen. Ende 2023 habe ich dann angefangen, als Women Community Volunteer zu arbeiten. Für zwei Runden von UN-Women-Konsultationen habe ich insgesamt 20 Frauen interviewt.

Die Frauen, die an diesen Konsultationen teilnehmen, sind sehr dankbar, dass sie die Möglichkeit haben, ihre Stimme zu erheben und dass jemand ihnen zuhört. Ich erinnere mich an eine Frau, die vor der Machtübernahme Lehrerin war und eine Stiftung für gesellschaftliches Engagement gegründet hatte. Sie ist Witwe und muss zwei Töchter allein großziehen. Doch nach der Machtübernahme und den Einschränkungen für Frauen verlor sie ihre Stiftung und hat keine Einkommensquelle mehr. Eine ihrer Töchter nahm sich das Leben, was sie in eine tiefe Depression stürzte. Aber sie war so glücklich, mit mir sprechen zu können. Sie sagte mir, es sei das erste Mal seit fast drei Jahren gewesen, dass jemand sie nach ihrem Leben und ihren Gefühlen gefragt habe.

Allein die Möglichkeit, mit diesen Frauen zu sprechen, ihnen zuzuhören und ihnen die Chance zu geben, ihre Gefühle und Wünsche auszudrücken, macht mich sehr stolz.

Zum Glück hatte ich bisher keine Schwierigkeiten. Bevor wir mit dieser Arbeit begonnen haben, hat uns das Länderbüro von UN Women Afghanistan geschult – was wir tun und was wir nicht tun sollen, wenn wir auf Probleme stoßen. So sind wir uns möglicher Situationen sehr bewusst.

Als Frau, die in dieser Gesellschaft aufgewachsen ist, fühle ich das, was diese Frauen durch die Einschränkungen und die schwierigen Umstände erleben. Diese Verbote rauben Frauen ihr Selbstvertrauen und ihren Selbstrespekt, indem sie sie in die Ecke ihres Zuhauses drängen. Ich weiß, was sie durchmachen, und deshalb ist es für mich so wichtig, ihre Stimmen hörbar zu machen.

Ich möchte Frauen helfen, indem ich Berichte schreibe und ihre Geschichten erzähle, indem ich ihre Stimmen erhebe und ihre Bedürfnisse und Probleme sichtbar mache. Und vielleicht werden internationale Organisationen sie durch diese Arbeit hören und ihnen eine helfende Hand reichen.

Wir brauchen Geschlechtergleichheit in Afghanistan. Frauen wollen Seite an Seite mit Männern arbeiten. Frauen wollen das Recht haben, Entscheidungen zu treffen – nicht nur in ihren Familien, sondern auch in der Regierung und in anderen Bereichen. Sie wollen Bildung. Sie wollen arbeiten. Sie wollen ihre Rechte.

Unsere unklare Zukunft macht uns wirklich enttäuscht. Ich weiß nicht, wie lange ich noch helfen kann und wie lange wir noch so weiterleben können. „Wir brauchen ein besseres Leben – besonders wir Frauen.“