Vier Jahre nach der Machtübernahme der Taliban: Afghan*innen unterstützen überwältigend die Bildung von Mädchen

Neuer Bericht von UN Women zeigt: 92 Prozent der Afghan*innen befürworten den Besuch weiterführender Schulen für Mädchen.

Kabul – Trotz des anhaltenden Verbots für Mädchen, weiterführende Schulen zu besuchen, unterstützen Afghan*innen aller Geschlechter und gesellschaftlichen Hintergründe nahezu einhellig das Recht von Mädchen auf Bildung. Das geht aus einem neuen Gender Alert von UN Women hervor.

Der Bericht beleuchtet die aktuelle Lage von Frauen und Mädchen in zehn zentralen Bereichen, darunter Bildung, Beschäftigung, Sicherheit und Bewegungsfreiheit, und zeigt die Auswirkungen des immer stärker verfestigten Systems von Einschränkungen vier Jahre nach der Machtübernahme der Taliban.

Frauen nehmen an einem von UN Women unterstützten Business-Training teil. UN Women/Sayed Habib Bidell

In einer landesweiten Haustürbefragung von mehr als 2.000 Afghan*innen gaben 92 Prozent an, es sei „wichtig“, dass Mädchen ihre Schulbildung fortsetzen können – unabhängig davon, ob sie in städtischen oder ländlichen Regionen leben.

  • In ländlichen Gebieten unterstützten 87 % der Männer und 95 % der Frauen die Bildung von Mädchen.
  • In Städten lag die Zustimmung bei 95 % sowohl bei Männern als auch bei Frauen.

„Fast immer ist das das Erste, was uns Mädchen sagen – sie sind verzweifelt darauf, lernen zu dürfen und wünschen sich einfach die Chance auf Bildung“, sagte Susan Ferguson, Sonderbeauftragte von UN Women in Afghanistan. „Auch Familien sagen, dass sie wollen, dass ihre Töchter diesen Traum leben können. Sie wissen, dass Lesen und Lernen das Leben eines Mädchens verändern können – in einem Land, in dem die Hälfte der Bevölkerung in Armut lebt.“

In Gebieten, in denen das von den Taliban verhängte Verbot für Frauen, in NGOs zu arbeiten, durchgesetzt wird, gaben in einer separaten Telefonbefragung von UN Women (Juli und August 2025) 97 Prozent der befragten Frauen an, dass das Verbot negative Auswirkungen auf ihr tägliches Leben hat.

Mehr als die Hälfte der NGOs in Afghanistan berichtet inzwischen, dass sie Frauen und Mädchen nicht mehr ausreichend mit wichtigen Dienstleistungen erreichen können.

Weitere zentrale Ergebnisse des Afghanistan Gender Alert von UN Women:

  • Trotz systematischer und anhaltender Einschränkungen stellen sich 40 % der afghanischen Frauen immer noch eine Zukunft vor, in der Veränderung und Gleichberechtigung möglich sind – auch wenn ihnen fast alle Wege zur öffentlichen Teilhabe verschlossen wurden.
  • Fast drei Viertel der Frauen in allen Landesteilen beschrieben ihren psychischen Gesundheitszustand in einer Telefonbefragung (Juli/August 2025) als „schlecht“ oder „sehr schlecht“.
  • Drei Viertel der Frauen gaben an, keinerlei Einfluss auf Entscheidungen in ihren Gemeinden zu haben; die Hälfte sagte, sie hätten keinen Einfluss in ihrer Großfamilie, und ein Viertel nicht einmal in ihrem eigenen Haushalt. (Befragungen von UN Women, UNAMA und der International Organization for Migration, April 2025).
  • 14 % der Frauen gaben an, ihr Zuhause nur einmal pro Woche zu verlassen – im Vergleich zu 2 % der Männer. Nur 41 % der Frauen gingen mindestens einmal am Tag aus dem Haus, bei Männern waren es 88 %. (Befragungen von UN Women, UNAMA und IOM, Juni 2025).