Die Hälfte der Welt, aber nur ein Viertel in den Nachrichten
Frauen tauchen nur in 26% aller Fernseh-, Radio- oder Printbeiträge auf oder kommen darin zu Wort. Dreißig Jahre nachdem Regierungen mit der Pekinger Erklärung und Aktionsplattform einen transformativen Wandel für Frauen versprochen haben, zeigt eine neue globale Studie: Frauen bleiben in den Nachrichten der Welt nahezu unsichtbar.
New York: Frauen machen die Hälfte der Weltbevölkerung aus, doch in den Nachrichten ist nur ein Viertel der Stimmen oder Gesichter weiblich. Dieser Wert hat sich in den letzten 15 Jahren kaum verändert – in 30 Jahren lediglich um neun Prozentpunkte.
Die aktuelle Ausgabe des Global Media Monitoring Project (GMMP) – durchgeführt von der internationalen Organisation WACC für Kommunikationsrechte und unterstützt vom UN Women-Programm ACT to End Violence against Women – ist die größte und am längsten laufende Studie zur Geschlechterdarstellung in den Medien. Die diesjährigen Ergebnisse zeigen: Frauen stellen nur 26 % der Nachrichtensubjekte und -quellen dar. Damit bleiben sie in Fernsehen, Radio und Print eklatant unterrepräsentiert.
Diese fehlende Sichtbarkeit ist besonders für junge Frauen und Mädchen problematisch, die sich in den klassischen Medien nicht wiederfinden.
Ebenso alarmierend: Geschlechtsspezifische Gewalt findet in den Nachrichten kaum statt, obwohl sie die Hälfte der Weltbevölkerung betrifft. Weniger als 2 von 100 Beiträgen behandeln die Gewalt, die viel zu viele Frauen erleben.
Darüber hinaus fordern nur 2 von 100 Beiträgen Geschlechterstereotype klar heraus. Das ist ein Beleg dafür, dass Medien nach wie vor bestehende Vorurteile verstärken und so zu einem massiven Hindernis für Gleichstellung werden.
Journalismus, der Stereotype infrage stellt, ist auf dem niedrigsten Stand seit drei Jahrzehnten GMMP-Erhebung. Ein eindeutiger Hinweis darauf, dass die wachsende globale Gegenbewegung gegen Frauen und Mädchen bereits hart erkämpfte Fortschritte untergräbt.
„Medien spiegeln die Realität – und sind entscheidend für Demokratie sowie für eine gerechte und gleiche Welt für alle Frauen und Mädchen. Doch wenn Frauen fehlen, ist die Demokratie unvollständig“, sagte Kirsi Madi, stellvertretende Exekutivdirektorin von UN Women. „In Zeiten des Backlashs gegen Gleichstellung sind diese Ergebnisse sowohl ein Weckruf als auch ein Aufruf zum Handeln. Wir brauchen ein radikales Umdenken, damit Medien ihre Rolle bei der Förderung von Gleichheit spielen können. Ohne die Stimmen von Frauen gibt es keine vollständige Geschichte, keine faire Demokratie, keine dauerhafte Sicherheit und keine gemeinsame Zukunft.“
Trotz dieses ernüchternden Befunds gibt es Fortschritte in einzelnen Bereichen: 41 % der Autor*innen von klassischen Nachrichtenartikeln sind inzwischen Frauen, ein Anstieg gegenüber 28 % im Jahr 1995. Das ist besonders wichtig, da Beiträge von Journalistinnen deutlich häufiger Frauen zum Thema machen (29 %) als Beiträge von Journalisten (24 %). Das zeigt, wie entscheidend Geschlechterparität in Redaktionen für eine gerechtere Darstellung ist.
„Das GMMP ist ein globales Rechenschaftsinstrument“, sagte Sarah Macharia, Koordinatorin der GMMP-Expert*innengruppe. „Dreißig Jahre Daten zeigen sowohl die Beständigkeit tief verwurzelter Stereotype als auch die Notwendigkeit, unsere Strategien radikal zu verändern – hin zu einem inklusiveren, repräsentativen Journalismus.“
In den Medien bleiben Autoritätsstimmen überwiegend männlich. Frauen werden häufiger als Augenzeuginnen mit persönlichen Schilderungen zitiert, und nicht als Fachexpertinnen, obwohl sie über die entsprechenden Qualifikationen verfügen.
Die Ergebnisse von 2025 erscheinen in einem entscheidenden Moment für die Gleichstellung: Die Welt befindet sich in den letzten fünf Jahren der Agenda für nachhaltige Entwicklungsziele und begeht das 30-jährige Jubiläum der Pekinger Erklärung (Beijing+30) auf der 80. UN-Generalversammlung. Die Erkenntnisse machen eine dringende Wahrheit deutlich: Der Backlash ist real, Fortschritte stagnieren, und Rechenschaft darf nicht länger aufgeschoben werden.
„Frauen und Mädchen haben es verdient, sich in den Medien repräsentiert zu sehen und ihre Geschichten erzählt zu bekommen. Jetzt liegt es an Regierungen, Redaktionen, Plattformen und Entscheidungsträger*innen, diese Gleichstellung Wirklichkeit werden zu lassen“, sagte Madi. „Wir werden nicht nachlassen, bis die Stimmen von Frauen in jeder Redaktion und in jeder Geschichte gehört werden.“
Weitere Informationen finden Sie in der Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse (Englisch).