Gefangen zwischen Krieg, Energieangriffen und Mittelkürzungen: Frauen und Mädchen in der Ukraine stehen vor einer tödlichen Dreifachkrise

New York: Vier Jahre nach Beginn der groß angelegten Invasion der Ukraine wurden mehr als 5000 Frauen und Mädchen getötet und 14.000 verletzt, wobei 2025 bislang das tödlichste Jahr ist und die tatsächliche Zahl wahrscheinlich deutlich höher liegt. Während sich der Krieg verschärft und Angriffe auf die Energieinfrastruktur das tägliche Leben lahmlegen, greift eine dritte Krise immer stärker um sich: der Zusammenbruch der Finanzierung für von Frauen geführte und für Frauenrechte eintretende Organisationen, die entscheidende Lebensader, die Frauen und Mädchen am Leben hält, schützt und unterstützt.

Während der humanitäre Bedarf stark ansteigt, werden Organisationen für Frauenrechte und von Frauen geführte Organisationen in der gesamten Ukraine durch tiefgreifende Mittelkürzungen an den Rand des Zusammenbruchs gedrängt. Schutzsysteme an vorderster Front werden abgebaut und lebensrettende Dienste für Frauen und Mädchen müssen eingeschränkt oder eingestellt werden. Ein neuer Bericht von UN Women mit dem Titel The Impact of Foreign Assistance Cuts on Women’s Rights and Women-Led Organizations in Ukraine” dokumentiert das Ausmaß der Finanzierungskrise und ihre Auswirkungen auf das Leben von Frauen und Mädchen.

Eine von drei befragten Organisationen für Frauenrechte und von Frauen geführten Organisationen warnt, dass sie mit dem derzeitigen Finanzierungsniveau nur noch sechs Monate oder weniger überleben könnten. Aufgrund von Kürzungen in den Jahren 2025 und 2026 werden von Frauen geführte Organisationen in der Ukraine voraussichtlich bis zum Jahresende mindestens 52,9 Millionen US Dollar verlieren. Die befragten Organisationen warnen, dass sie 2026 gezwungen sein werden, lebensrettende Dienste für mindestens 63.000 bedürftige Frauen und Mädchen einzustellen. Zuerst und am stärksten betroffen sind diejenigen, die ohnehin am meisten gefährdet sind: Frauen und Mädchen in Frontgebieten und ländlichen Regionen, ältere Frauen, von Frauen geführte Haushalte sowie Frauen und Mädchen mit Behinderungen werden in einer Zeit zunehmender Gefahr von Schutz, humanitärer Hilfe und Wiederaufbau abgeschnitten.

Wie der Bericht zeigt, der von der Arbeitsgruppe Gender in Humanitarian Action in der Ukraine entwickelt wurde und von UN Women, der NGO Girls und CARE Ukraine gemeinsam geleitet wird, werden die Auswirkungen der Mittelkürzungen durch eine landesweit wachsende Energiekrise und eine Zunahme von Angriffen zusätzlich verschärft. Während ukrainische Frauenorganisationen weiterhin ihren Aufgaben nachkommen, werden ihre operative Handlungsfähigkeit, ihr Zugang zu bedürftigen Bevölkerungsgruppen und das Wohlergehen ihrer Mitarbeitenden durch Energieausfälle erheblich beeinträchtigt. Dies ist besonders dringlich in einer Situation, in der Millionen von Ukrainerinnen und Ukrainern von grundlegenden Dienstleistungen wie Strom, Heizung und Wasser abgeschnitten sind.

„Frauenorganisationen in der Ukraine stehen Frauen und Mädchen in Krisensituationen als Erste zur Seite und tragen maßgeblich dazu bei, Schutz, Würde und Hoffnung aufrechtzuerhalten. Die derzeitigen Mittelkürzungen zerstören ihre lebensrettenden Strukturen. Während UN Women weiterhin mit Frauenorganisationen in der Ukraine zusammenarbeitet und in sie investiert, ist eine verlässlichere und langfristige Finanzierung notwendig, damit sie essenzielle Dienste weiter bereitstellen können. Nur so können Frauen und Mädchen eine volle und bedeutende Rolle bei der Gestaltung eines geschlechtergerechten Wiederaufbaus und beim Aufbau eines gerechten und dauerhaften Friedens übernehmen“, sagte die Exekutivdirektorin von UN Women, Sima Bahous.