Kein Land der Welt hat vollständige Gleichstellung vor dem Gesetz für Frauen und Mädchen erreicht

Vom Schutz vor geschlechtsspezifischer Gewalt bis hin zu gleichem Lohn bleiben Frauen und Mädchen vor dem Gesetz ungleich. Gleichzeitig besteht weltweit weiterhin Straflosigkeit bei Verletzungen ihrer Rechte, erklärte UN Women.

New York: Am 8. März 2026, dem Internationalen Frauentag, schlägt UN Women weltweit Alarm: Justizsysteme, die eigentlich Rechte schützen und die Rechtsstaatlichkeit sichern sollen, versagen gegenüber Frauen und Mädchen überall auf der Welt. Weltweit verfügen Frauen nur über 64 Prozent der gesetzlichen Rechte von Männern. Dadurch sind sie in allen Lebensphasen Diskriminierung, Gewalt und Ausgrenzung ausgesetzt.

 

Zu diesem Ergebnis kommt ein neuer Bericht des Generalsekretärs der Vereinten Nationen mit dem Titel „Ensuring and Strengthening Access to Justice for All Women and Girls“. Derselbe Bericht zeigt, dass in mehr als der Hälfte der Länder weltweit, nämlich in 54%, Vergewaltigung noch immer nicht auf Grundlage der Zustimmung definiert ist. Das bedeutet, dass eine Frau vergewaltigt werden kann, ohne dass das Gesetz dies als Straftat anerkennt. In fast drei von vier Ländern kann ein Mädchen nach nationalem Recht weiterhin zur Ehe gezwungen werden. Und in 44% der Länder schreibt das Gesetz keinen gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit vor. Das bedeutet, dass Frauen für dieselbe Arbeit weiterhin rechtlich weniger bezahlt werden dürfen.

„Wenn Frauen und Mädchen der Zugang zur Gerechtigkeit verwehrt wird, reichen die Folgen weit über einen einzelnen Fall hinaus. Das Vertrauen der Öffentlichkeit schwindet, Institutionen verlieren ihre Legitimität und die Rechtsstaatlichkeit selbst wird geschwächt. Ein Justizsystem, das die Hälfte der Bevölkerung im Stich lässt, kann nicht behaupten, Gerechtigkeit zu gewährleisten“, sagte die Exekutivdirektorin von UN Women, Sima Bahous.

Während sich die Gegenreaktionen gegen langjährige Verpflichtungen zur Geschlechtergleichstellung verstärken, nehmen die Verletzungen der Rechte von Frauen und Mädchen zu. Angetrieben wird diese Entwicklung von einer globalen Kultur der Straflosigkeit, die sich von Gerichten über den digitalen Raum bis hin zu Konfliktgebieten erstreckt. Gesetze werden umgeschrieben, um die Freiheiten von Frauen und Mädchen einzuschränken, ihre Stimmen zum Schweigen zu bringen und Missbrauch ohne Konsequenzen zu ermöglichen. Während technologische Entwicklungen schneller voranschreiten als die Regulierung, sind Frauen und Mädchen zunehmend digitaler Gewalt ausgesetzt. In diesem Klima der Straflosigkeit werden Täter nur selten zur Verantwortung gezogen. In Konflikten wird Vergewaltigung weiterhin als Kriegswaffe eingesetzt. Die gemeldeten Fälle sexueller Gewalt sind in nur zwei Jahren um 87% gestiegen.

Der Bericht des UN-Generalsekretärs zeigt jedoch auch, dass Fortschritte möglich sind. 87% der Länder haben Gesetze gegen häusliche Gewalt erlassen, und mehr als 40 Länder haben in den vergangenen zehn Jahren den verfassungsrechtlichen Schutz für Frauen und Mädchen gestärkt. Doch Gesetze allein reichen nicht aus. Diskriminierende soziale Normen wie Stigmatisierung, Schuldzuweisungen an Opfer, Angst und sozialer Druck bringen Überlebende weiterhin zum Schweigen und behindern den Zugang zur Justiz. Dadurch bleiben selbst extremste Formen von Gewalt, einschließlich Femizid, oft ungestraft. Auch alltägliche Hindernisse wie Kosten, Zeitaufwand, Sprachbarrieren und ein tiefes Misstrauen gegenüber den Institutionen, die eigentlich Schutz bieten sollen, erschweren Frauen den Zugang zur Justiz.

Am Internationalen Frauentag 2026 unter dem Motto „Rights. Justice. Action. For ALL Women and Girls“ fordert UN Women entschlossenes und dringendes Handeln: Straflosigkeit muss beendet, die Rechtsstaatlichkeit verteidigt und Gleichberechtigung verwirklicht werden – im Gesetz, in der Praxis und in allen Bereichen des Lebens für alle Frauen und Mädchen.

Die diesjährige 70. Sitzung der Commission on the Status of Women (CSW), dem höchsten zwischenstaatlichen Gremium der Vereinten Nationen zur Festlegung globaler Standards für Frauenrechte und Geschlechtergleichstellung, bietet eine einmalige Gelegenheit, den Rückschritt bei Frauenrechten umzukehren und Gerechtigkeit zu sichern.

„Jetzt ist der Moment, aufzustehen, präsent zu sein und die Stimme zu erheben für Rechte, für Gerechtigkeit und für konkretes Handeln, damit jede Frau und jedes Mädchen sicher leben, frei sprechen und gleichberechtigt leben kann“, betonte die Exekutivdirektorin von UN Women, Sima Bahous.

Die Gedenkveranstaltung zum Internationalen Frauentag und die Eröffnung der 70. Sitzung der Commission on the Status of Women fand dieses Jahr am selben Tag direkt nacheinander statt, am 9. März 2026 in der Generalversammlung der Vereinten Nationen.