Round Table Frauen in Technik

Frauen und Männer sind in Österreich seit Jahrzehnten rechtlich gleichgestellt. Dennoch sind wir von einer ausgewogenen wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Teilhabe von Frauen und Männern weit entfernt. Um strukturelle Ungleichheiten zu überwinden, fordert eine Gruppe feministischer Expert:innen aus Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur und Zivilgesellschaft die gesetzliche Verankerung eines unabhängigen Gleichstellungsrates. Beim Round Table am 10. November 2025 stellten Dr.ᶦⁿ Margarete Bican und Dr.ᶦⁿ Andrea Leitner die Vorteile eines unabhängigen Gleichstellungsrates und wie dieser organisiert werden könnte, vor.

Dr.ᶦⁿ Andrea Leitner ist Mitglied des Gleichstellungsboards. Sie forscht seit den 1990er-Jahren am Institut für Höhere Studien zur Ungleichheit von Frauen und Männern auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene mit Schwerpunkt Bildung und Beschäftigung.

Dr.ᶦⁿ Margarete Bican ist Mitglied des Gleichstellungsboards und derzeit in Pension. Bis 2022 war sie Geschäftsführerin des Vereins „sprungbrett für Mädchen“. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind u. a.: Berufsorientierung und Berufswahl, Gleichstellung und Gleichbehandlung in der Arbeitswelt.

Hinsichtlich ökonomischer Gleichstellung gäbe es laut den Expertinnen einerseits Fortschritte, aber auch neue Formen von Benachteiligungen und die Befürchtung, dass ökonomischer Fortschritt stockt oder es sogar Rückschritte geben könnte. Ökonomische Gleichstellung sei die Basis für ein selbstbestimmtes Leben und ökonomische, soziale, politische und kulturelle Mitbestimmung. Allerdings gäbe es strukturelle Ungleichheiten, beispielsweise werde es voraussichtlich noch viele Jahre dauern, bis beim Gender Pay Gap Gleichstellung erreicht werde. Im Bereich der Hochschulbildung schlössen mittlerweile mehr Frauen ab als Männer, aber dennoch seien Frauen bezüglich der Bildungsrenditen benachteiligt. Auch hinsichtlich der Erwerbseinkommen bestünden Ungleichheiten und durch einkommenszentrierte Sozialleistungen würden Benachteiligungen fortgeschrieben. Aufgrund dieser und vieler weiterer exemplarisch geschilderter struktureller Ungleichheiten in Österreich sei die Idee eines unabhängigen Gleichstellungsrats entstanden.

Die Implementierung des Gleichstellungsrats sei eine zentrale Forderung des Gleichstellungsboards, das wiederum aus einer Initiative des ABZ*Circle hervorgeht. ABZ*Circle sei 2017 von Manuela Vollmann und Daniela Schallert gegründet worden als Plattform für Frauen aus Wirtschaft, Wissenschaft, Bildung, Kunst, Medien, Kultur und Verwaltung, um sich für Gleichstellung zu engagieren und konkrete Initiativen für Geschlechtergerechtigkeit zu setzen.

Als Grundlage für eine Politik zur Gleichstellung bedürfe es laut den Expertinnen des Gleichstellungsboards regelmäßige, unabhängige Analysen und ein kontinuierliches Monitoring, inwiefern staatliche Maßnahmen die Gleichstellung fördern oder behindern. Hierfür werde eine unabhängige Institution benötigt, analog zum Fiskal- und Produktivitätsrat. Ein derartiger „Gleichstellungsrat zur Förderung der ökonomischen Gleichstellung“ solle interdisziplinär und intersektional mit Gleichstellungsexpert:innen aus Wissenschaft und Praxis besetzt sein. Es bedürfe einer gesetzlichen Verankerung, Unabhängigkeit der Mitglieder durch Weisungsfreiheit und entsprechende Ressourcen.

Das Ziel der Arbeit des Gleichstellungsrates sei eine eigenständige materielle Absicherung aller Frauen und eine gerechte Aufteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit, Einkommen und Vermögen.

Auf Grundlage eines kontinuierlichen Monitorings solle der Gleichstellungsrat jährliche Berichte über den Stand der erreichten Gleichstellung in Bezug auf Arbeit, Einkommens- und Vermögensverhältnisse in Österreich erstellen und die Regierung, das Parlament, die Verwaltung und die Öffentlichkeit informieren. Weitere Aufgaben seien die Gestaltung einer wirksamen Gleichstellungspolitik und die Unterstützung einer geschlechtergerechten Budgetgestaltung sowie der Einhaltung der gleichstellungspolitischen Vorgaben der EU. Durch den Gleichstellungsrat sollen bestehende und vorgeschlagene Maßnahmen in Hinblick auf ihre Gleichstellungswirkung überprüft werden. 

Die Aufgaben des Gleichstellungsrates seien also das Aufzeigen von strukturell bedingten Ungleichheiten und Machtgefällen, systematische Beobachtung von Veränderungen in der Gleichstellung und das Bewerten von politischen Maßnahmen im Hinblick auf deren Auswirkungen auf die Geschlechter. Weitere Informationen und Unterstützungsmöglichkeiten dieser innovativen Idee finden Sie auf der Website des Gleichstellungsrates. 

Die Aufzeichnung des Round Tables findet ihr hier. 

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