Erklärung von UN Women zu den Auswirkungen der jüngsten militärischen Eskalation im Nahen Osten auf Frauen und Mädchen

GENF/KAIRO/BANGKOK (Stand 10. April 2026): UN Women begrüßt gemeinsam mit dem Generalsekretär die Ankündigung einer zweiwöchigen Waffenruhe durch die Vereinigten Staaten und den Iran [1] und äußert zugleich große Besorgnis über die Welle israelischer Angriffe im Libanon. Berichten zufolge wurden allein in dieser Woche Hunderte Menschen getötet oder verletzt, darunter Frauen und Mädchen [2]. UN Women bekräftigt den Aufruf zu einem dauerhaften und gerechten Frieden in der Region, der die Rechte, Sicherheit und Würde aller Frauen und Mädchen wahrt.

Am 28. Februar 2026, dem ersten Tag der jüngsten Eskalation, wurden Berichten zufolge 168 Mädchen getötet, als ein Angriff ihre Grundschule in Minab im Iran traf [3]. Seitdem sollen Hunderte weitere Frauen und Mädchen in der gesamten Region ums Leben gekommen sein. Im Iran wurden nach Angaben 204 Frauen getötet [4]; im Libanon wurden laut nationalen Gesundheitsbehörden bereits vor den intensiven Bombardierungen am 8. April 102 Frauen getötet [5]. Auch aus Bahrain, Irak, Israel, Kuwait, den besetzten palästinensischen Gebieten und den Vereinigten Arabischen Emiraten werden Todesfälle unter Frauen und Mädchen gemeldet.

Millionen von Frauen und Mädchen wurden zur Flucht gezwungen, darunter schätzungsweise bis zu 1,6 Millionen im Iran [6] und 620.000 im Libanon [7]. Die Vertreibung setzt sie erhöhten Risiken aus, insbesondere unter überfüllten und unsicheren Bedingungen. Gleichzeitig wird der Zugang zu Gesundheitsversorgung, Schutz und Erwerbsmöglichkeiten eingeschränkt, während unbezahlte Sorgearbeit zunimmt.

Die Zerstörung ziviler Infrastruktur in der Region erschwert zusätzlich den Zugang zu sicherer Unterkunft, sauberem Wasser und grundlegenden Dienstleistungen. Bereits vor der jüngsten Eskalation waren schätzungsweise 50.000 schwangere Frauen in Gaza und 70.000 im Libanon auf geburtshilfliche Versorgung angewiesen, viele von ihnen hatten schon damals nur eingeschränkten Zugang zu angemessener Betreuung [8]. Schäden an Krankenhäusern und Gesundheitssystemen werden den Zugang zu lebenswichtigen Leistungen weiter verschlechtern. Gleichzeitig verschärft sich die Ernährungsunsicherheit zunehmend. In den betroffenen Ländern – darunter Syrien, Jemen, Libanon, die besetzten palästinensischen Gebiete und Irak – sind 24 Millionen Frauen und Mädchen von wachsender Ernährungsunsicherheit betroffen. Ursachen sind unter anderem Preisschwankungen, unterbrochene Lieferketten und sinkende Kaufkraft in einer stark importabhängigen Region [9]. Allein in Gaza leiden fast 790.000 Frauen und Mädchen unter akuter oder noch schwererer Ernährungsunsicherheit [10].

Organisationen für Frauenrechte, die eine zentrale Rolle in humanitärer Hilfe und Friedensarbeit in der Region spielen, arbeiten unter zunehmend eingeschränktem zivilgesellschaftlichem Handlungsspielraum, wachsenden Sicherheitsrisiken und erheblichen Finanzierungslücken. Menschenrechtsverteidigerinnen sind Einschüchterungen, willkürlichen Festnahmen, Inhaftierungen und in einigen Fällen tödlicher Gewalt ausgesetzt.

UN Women ist in der gesamten Region des Nahen Ostens vor Ort tätig, baut Schutzmaßnahmen, Unterstützung von Lebensgrundlagen und Koordinationsstrukturen aus und sorgt dafür, dass die Stimmen von Frauen die humanitäre Hilfe und den Wiederaufbau maßgeblich mitgestalten. Wir rufen zur Deeskalation auf, zum Schutz aller Zivilpersonen, zu ungehindertem Zugang für humanitäre Hilfe, zu geschlechtersensiblen Maßnahmen und dazu, die zweiwöchige Waffenruhe als Grundlage für einen gerechten, nachhaltigen und umfassenden Frieden für alle Frauen und Mädchen in der Region zu nutzen.

***

Quellen:

[1] Erklärung des Sprechers des Generalsekretärs zum Konflikt im Nahen Osten
[2] Pressemitteilung des OHCHR: Türk verurteilt tödliche Welle israelischer Angriffe auf den Libanon
[3] Iranisches Ministerium für Gesundheit und medizinische Ausbildung, Stand 3. April 2026
[4] Iranisches Ministerium für Gesundheit und medizinische Ausbildung, Stand 3. April 2026
[5] Daten des libanesischen Gesundheitsministeriums, gemeldet am 7. April 2026
[6] Schätzungen von UN Women auf Grundlage von UNHCR-Zahlen („bis zu 3,2 Millionen Vertriebene im Iran“), 50 % angesetzt, Stand 29. März 2026
[7] Schätzungen von UN Women auf Grundlage von 1,2 Millionen Vertriebenen, basierend auf früheren Mustern (52 %)
[8] UNFPA (2023–2024), Lageberichte Staat Palästina; OCHA (2023–2024), Flash Updates – Gaza; UNFPA (2023–2024), Libanon: Humanitäre Reaktion / Länderberichte
[9] Schätzungen von UN Women, März 2026
[10] Schätzungen von UN Women, März 2026