Sudans Krieg gegen Frauen: Die Anzahl der Menschen mit Bedarf an Unterstützung nach sexualisierter Gewalt vervierfacht sich – Der Missbrauch von Frauen und Mädchen wird drei Jahre nach Kriegsbeginn zur systematischen Kriegsstrategie
Während der Krieg im Sudan in sein viertes Jahr geht und sexualisierte Gewalt zu seinen prägendsten Merkmalen gehört, fordert UN Women den Schutz aller Frauen und Mädchen, die Rechenschaftspflicht für sämtliche Täter sowie eine deutliche Aufstockung der finanziellen Mittel für von Frauen geführte Organisationen an vorderster Front.
New York/Port Sudan: Sexualisierte Gewalt nimmt im Sudan weiter stark zu. Die Zahl der Frauen und Mädchen, die nach geschlechtsspezifischer Gewalt Unterstützung benötigen, hat sich innerhalb von zwei Jahren nahezu verdoppelt und seit Beginn des Krieges vor drei Jahren vervierfacht. Das geht aus einer heute von UN Women veröffentlichten Analyse hervor: Three years of war: Sudanese women on the frontlines of humanitarian and local peacebuilding efforts, published today by UN Women (Drei Jahre Krieg: Sudanesische Frauen an der Front humanitärer Hilfe und lokaler Friedensarbeit).
Die Auswertung stützt sich auf Daten von 85 von Frauen geführten Organisationen, die im gesamten Sudan tätig sind, darunter auch in besonders umkämpften Gebieten in Darfur und Kordofan. Zwei Drittel der befragten Helferinnen an vorderster Front berichteten für 2025 von einem deutlichen Anstieg sexualisierter Gewalt, und die Hälfte stellte für 2026 eine weitere Eskalation fest.
„Frauen und Mädchen werden in ihren Häusern vergewaltigt und getötet, ebenso auf der Flucht oder bei der Suche nach Nahrung, Wasser und medizinischer Versorgung. Der Einsatz sexualisierter Gewalt ist zu einem festen Bestandteil der Kriegsführung im Sudan geworden“, sagte Anna Mutavati, Regionaldirektorin von UN Women für Ost- und das südliche Afrika.
Mehr als 4,3 Millionen Frauen und Mädchen sind inzwischen innerhalb des Sudan vertrieben, während 2026 insgesamt 17,1 Millionen auf humanitäre Hilfe angewiesen sind. Für viele, insbesondere in aktiven Konfliktgebieten, fehlt jedoch der Zugang zu Nahrung, Unterkünften und medizinischer Versorgung oder ist stark eingeschränkt. Über zwei Drittel der Frauen, die in von Frauen geführten Organisationen an der humanitären Front arbeiten, beobachteten 2025 eine deutliche Verschlechterung beim Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen.
Die gezielten Übergriffe, die darauf abzielen, Angst, Erniedrigung und Kontrolle über Frauen und Mädchen auszuüben, werden durch Blockaden und anhaltende Instabilität zusätzlich verstärkt und bleiben weitgehend straflos.
„Diesen Krieg zu beenden bedeutet auch, die Straflosigkeit zu beenden, die ihn aufrechterhält. Es kann keinen Frieden geben, solange sexualisierte Gewalt eine der bewusst eingesetzten und grausamsten Taktiken bleibt“, so Mutavati.
Die in der Analyse erfassten von Frauen geführten Organisationen erreichen nahezu 20 Millionen Menschen in Not im gesamten Sudan. Unter Bedingungen, die oft kaum noch mit dem Überleben vereinbar sind, versorgen sie Familien mit Lebensmitteln, leisten medizinische Hilfe und psychosoziale Unterstützung für Überlebende sexualisierter Gewalt, vermitteln in lokalen Konflikten und verhandeln humanitären Zugang dort, wo staatliche Strukturen zusammengebrochen sind und internationale Akteure keinen Zugang haben.
Nahezu alle (99%) der befragten Organisationen berichten von erheblichen Umsetzungsproblemen, verursacht durch Finanzierungslücken, behördliche Einschränkungen und unsichere Sicherheitslagen. Rund 85% geben an, 2025 von Kürzungen oder Ausfällen bei der Finanzierung betroffen gewesen zu sein. Frauen, die an vorderster Front arbeiten, sind Bedrohungen und gezielten Angriffen ausgesetzt; jede fünfte Befragte berichtete von konkreten Drohungen. In den vergangenen drei Jahren waren sudanesische Frauen zudem faktisch nicht an offiziellen Friedensverhandlungen als Verhandlerinnen beteiligt.
UN Women ist im Sudan vor Ort und leistet lebenswichtige Unterstützung für Frauen und Mädchen, darunter Schutzangebote, psychosoziale Hilfe und die Bereitstellung grundlegender Güter. Die Organisation fordert den Schutz der Zivilbevölkerung sowie die umfassende, sichere und substanzielle Einbeziehung von Frauen in die humanitäre Hilfe, einschließlich direkter Unterstützung für von Frauen geführte Initiativen.
UN Women fordert außerdem Rechenschaft für die Täter, Zugang zur Justiz für Betroffene und Überlebende sowie die volle, gleichberechtigte und wirksame Beteiligung von Frauen an Friedensprozessen und politischen Entscheidungsstrukturen.