Am 16. April 2026 durften wir, anlässlich des am 21. April 2026 erstmalig stattfindenden Internationalen Tag von Frauen in der Industrie, Carolina Gonzalez und Helin Herlbauer als Expertinnen bei unserem Round Table zum Thema Frauen in der Industrie begrüßen.
Carolina Gonzalez ist die leitende Gender-Koordinatorin bei UNIDO – der United Nations Industrial Development Organization (Organisation der Vereinten Nationen für industrielle Entwicklung). Sie trägt zur Umsetzung der Strategie des Sekretariats für Geschlechtergleichstellung und Ermächtigung von Frauen bei. Dies umfasst die Förderung der Wissensentwicklung sowie die Integration von Gender-Aspekten in institutionelle Strategien, Richtlinien und die programmatische Arbeit.
Helin Herlbauer ist Juristin für Menschenrechte und derzeit als Gender-Expertin bei UNIDO tätig. Sie wirkt an der Integration der Geschlechtergleichstellung in eine inklusive und nachhaltige industrielle Entwicklung mit, einschließlich der Einbindung von Gender-Erwägungen in politische Konzepte, Programme und Partnerschaften. Sie verfügt über weitreichende Erfahrung aus verschiedenen UN-Organisationen bei der Förderung von Gender- und Menschenrechtsagenden.
Frauen sind in der Industrie nach wie vor stark unterrepräsentiert, obgleich volle Teilhabe und Führung von Frauen in der Industrie unerlässlich ist, um inklusivere, innovativere und widerstandsfähigere Volkswirtschaften aufzubauen. Auch zeigten uns die Vorträge, welches wirtschaftliche Potenzial in einer gleichgestellten Zukunft steckt. So würde eine gleichberechtigte Teilhabe von Frauen in der Industrie zu einer Steigerung des globalen BIP um +26 % führen. Die begrenzte Beteiligung von Frauen in der Industrie stellt daher auch eine Nichtausschöpfung des Humankapitals dar, wodurch Produktivität und Wachstumspotenzial ungenützt bleiben.
Die Gründe für eine ungleiche Beteiligung in der Industrie sind vielfältig. So sind Frauen oft in ihren zeitlichen Ressourcen beschränkter als Männer, da sie eine unverhältnismäßig hohe Belastung durch unbezahlte Sorgearbeit tragen und dadurch nur eingeschränkten Zugang zu Weiterbildung und Vollzeitarbeit haben. Zudem sind wirtschaftliche Ressourcen oft ungleich verteilt, etwa aufgrund des eingeschränkten Zugangs zu Finanzmitteln und Vermögenswerten und der wirtschaftlichen Vulnerabilität von Frauen (weltweit leben 376 Millionen Frauen in extremer Armut). Auch Sicherheit und Mobilität stellen wichtige Faktoren dar, da der oft eingeschränkte Zugang zu sicheren Transportmitteln und Arbeitsplätzen zu einer Beeinträchtigung der Teilnahme an Erwerbsarbeit und Fortbildungen führt. Bereits der Eintritt in eine industrielle Laufbahn ist für Frauen von Hürden geprägt, da Geschlechternormen, internalisierte Vorurteile und Stereotypen die Berufswahl und das Vorankommen beeinflussen.
Frauen sehen sich sohin über Regionen und Sektoren hinweg weiterhin strukturellen Barrieren gegenüber, die ihren Zugang zu – und ihren Aufstieg in – industriellen Berufen einschränken.
Doch es gibt zahlreiche Maßnahmen, die gesetzt werden können, um dem entgegenzuwirken, wie die von UNIDO vorangetriebenen Initiativen zeigen.
So konnte mit einem Projekt in Indien nachhaltige Veränderung in zahlreichen Unternehmen geschaffen werden: der Automobilsektor ist stark männlich geprägt, zeugt von ausgeprägten kulturellen Normen und Voreingenommenheit der Arbeitgebenden und zeigt oft einen Mangel an sicheren und inklusiven Arbeitsplätzen auf. Durch Sensibilisierung für Geschlechterfragen in über 275 Unternehmen, Mentoring-Programme für Frauen, Verbesserungen am Arbeitsplatz (Transport, Kinderbetreuung, Einrichtungen) und Anreize und Auszeichnungen für geschlechterinklusive Unternehmen, konnten beachtliche Ergebnisse erreicht werden. So konnten über 1.600 Frauen geschult und gecoacht werden, mehr Frauen übernahmen Führungsrollen und der Frauenanteil in der Belegschaft stieg in einigen Unternehmen von 5 % auf bis zu 50 %. Die Maßnahmen schlugen sich auch in der dadurch gesteigerten Innovationskraft nieder und in der Produktivität, die um teilweise 5 % gesteigert werden konnte.
Dieses und weitere Beispiele, die in unserem Round Table vorgestellt wurden, zeigen welch positiven Ergebnisse für alle Beteiligten, insbesondere die Unternehmen, erreicht werden können, wenn Maßnahmen zur Gleichberechtigung von Frauen in der Industrie gesetzt werden.
Doch hierzu ist vereintes Handeln erforderlich, zu dem auch der in diesem Jahr erstmalig stattfindende Internationale Tag der Frauen in der Industrie („IDWI“ am 21. April) aufruft. Dieser wurde ins Leben gerufen, um Bewusstsein zu schärfen, Fortschritte hervorzuheben und kollektive Maßnahmen zur Förderung der Geschlechtergleichstellung in industriellen Sektoren weltweit zu mobilisieren.