Stellungnahme von UN Women Afghanistan zum Dekret Nr. 18 der De-facto-Behörden

Erklärung von Susan Ferguson, Sonderbeauftragte von UN Women für Afghanistan.

KABUL: Das von den De-facto-Behörden in Afghanistan erlassene Dekret Nr. 18 stellt eine weitere schwerwiegende Entwicklung dar, die die Rechte und die Sicherheit afghanischer Frauen und Mädchen weiter untergräbt.

Während Afghanistan sich dem fünften Jahrestag der Machtübernahme durch die Taliban nähert, gibt dieses jüngste Dekret, das am 14. Mai 2026 vom De-facto-Justizministerium veröffentlicht wurde, neue Regelungen für die Trennung von Ehepartnern vor. Es wirft ernste Bedenken hinsichtlich Kinderehen und der Zustimmung von Frauen zur Ehe auf.

Das Dekret bedeutet einen Bruch mit den Gesetzen, die vor der Machtübernahme galten und sowohl ein Mindestalter für die Eheschließung festlegten als auch Zwangs- und Kinderehen unter Strafe stellten.

Im Gegensatz dazu sieht Dekret Nr. 18 kein Mindestalter für die Eheschließung vor. Stattdessen regelt es, unter welchen Bedingungen eine Kinderehe für ungültig erklärt werden kann oder ein Kind, das zu einer Ehe gezwungen wurde, nach Erreichen der Pubertät eine Aufhebung der Ehe beantragen kann. Indem das Dekret impliziert, dass Kinderehen zulässig sind, birgt es die Gefahr, diese Praxis zu normalisieren.

Darüber hinaus erschwert das Dekret Frauen die Trennung von ihrem Ehepartner. Frauen sehen sich im Vergleich zu Männern mit deutlich höheren rechtlichen Hürden konfrontiert. So müssen sie unter anderem mehrere Zeugenaussagen vorlegen, um ihren Antrag auf Trennung zu untermauern. In bestimmten Fällen kann ein Ehemann den Antrag seiner Frau durch eine eigene Erklärung oder durch das Verweigern seiner Zustimmung aushebeln.

Dies verdeutlicht erneut, dass Männer und Frauen in Afghanistan nicht länger vor dem Gesetz gleichgestellt sind – eine Entwicklung, die bereits durch das im Januar erlassene Dekret Nr. 12 bestätigt wurde.

UN Women ist zutiefst besorgt über die Auswirkungen von Dekret Nr. 18.

Afghanische Frauen und Mädchen haben das Recht, frei von Gewalt und Diskriminierung zu leben. Sie haben Anspruch auf Würde, Sicherheit, Bewegungsfreiheit und die Teilhabe am öffentlichen Leben. Rechtliche Rahmenbedingungen müssen die Gleichheit vor dem Gesetz gewährleisten, Frauen vor allen Formen von Gewalt schützen und einen diskriminierungsfreien Zugang zur Justiz sicherstellen.

UN Women fordert die De-facto-Behörden auf, sicherzustellen, dass sämtliche Gesetze und politischen Maßnahmen die Rechte von Frauen und Mädchen schützen und den internationalen Menschenrechtsabkommen und Konventionen entsprechen, denen Afghanistan als Vertragsstaat beigetreten ist.