Die UN Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung wurde 2015 von den Vereinten Nationen verabschiedet, um Frieden und Wohlstand für alle Menschen sowie den Schutz der Umwelt und des Klimas zu erreichen. Bis zum Jahr 2030 sollen 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) erreicht werden. Im Gegensatz zu den 2015 ausgelaufenen Millennium Development Goals, die sich auf die Länder des Südens konzentrierten, gelten die SDGs global für alle Länder. Mag.a Alexandra Wegscheider-Pichler (Statistik Austria) erklärte in unserem Round Table am 22. Juni 2026, wie das Monitoring der Agenda 2030 erfolgt und wie es um die Umsetzung der nationalen SDG-Indikatoren steht. Über SDG 5 „Geschlechter-Gleichheit“ hinausgehend analysierte sie Gender-Perspektiven der Nachhaltigen Entwicklungsziele.
Mag.a Alexandra Wegscheider-Pichler ist als Referentin und SDG-Koordinatorin bei Statistik Austria tätig, wo sie unter anderem das Projekt zur UN Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung leitet. Ihr Arbeitsschwerpunkt liegt in der Nachhaltigkeitsforschung, speziell bei den Themen Beyond-GDP und UN Agenda 2030. Dazu ist sie auch in internationalen Arbeitsgruppen wie der UNECE Expert Group on Statistics for SDGs oder der Eurostat-Arbeitsgruppe für Nachhaltigkeitsindikatoren tätig.
Die 17 SDGs mit ihren 169 Unterzielen (Targets) umfassen vielfältige Themen: Beseitigung von Armut und Hunger, Gender-Gerechtigkeit, Klimawandel, Wassermanagement u.v.m. Um die Entwicklung dieser Ziele zu überwachen, wurde auf UN-Ebene ein Indikatorenset definiert. In Österreich ist Statistik Austria für die Erstellung des nationalen SDG-Indikatorensets zuständig. Aktuell stehen rund 260 Indikatoren (mit Mehrfachnennungen) zur Verfügung, die Zeitreihen ab dem Jahr 2010 liefern. Das nationale Indikatorenset wird jedes Jahr weiterentwickelt und aktualisiert und ist die Basis für die nationalen Indikatorenberichte zur Agenda 2030. Genderrelevante Indikatoren umfassen beispielsweise den Gender Pay Gap und Gender Pension Gap, die Prävalenz intimer Partnergewalt gegen Frauen, die Gewährleistung von sexueller und reproduktiver Gesundheit, den Zeitaufwand für Haushaltsführung und Kinderbetreuung, die Teilzeitquote, den Frauenanteil im Nationalrat und in Landesregierungen sowie der Anteil von Frauen am Bürgermeisteramt.
Es gibt auch Themen, zu denen keine genderspezifischen Daten vorliegen: Beispielsweise sind in den Umwelt-Zielen keine Gender-Indikatoren vorhanden. Bezüglich Klimawandel und Gender könnten Daten hinsichtlich der geschlechtsspezifischen Betroffenheit, oder Auswertungen zur Verursachung der Treibhausgasemissionen nach Geschlecht, interessant sein.
In Österreich ist für viele Bereiche die Zielvorgabe erreicht: Dazu zählen z. B. der Zugang zu einwandfreiem Trinkwasser, zuverlässige Energieversorgung, eine grundlegende Gesundheitsversorgung und Zugang zu reproduktiver Gesundheit. Aktuell wurden für Österreich rund 66 % der bewertbaren Indikatoren positiv beurteilt (inklusive Zielerreichungen), 19 % wurden neutral beurteilt und 15 % negativ. Einige Indikatoren können nicht bewertet werden, da z. B. die Zeitreihen der Daten zu kurz waren. Es bräuchte beispielsweise weitere Erhebungen zur Gewalt und zur Zeitverwendung, um die Datenbasis aufzubauen. Negativ ist z. B. die Entwicklung der Väterbeteiligung am Kinderbetreuungsgeldbezug zu beurteilen. Nachholbedarf gibt es – trotz positiver Bewertung der Entwicklung – auch hinsichtlich des Gender Pay Gap: Der Lohnunterschied geht zwar zurück, ist aber über dem EU-27-Durchschnitt.
Der vollständige Agenda 2030 SDG-Indikatorenbericht von 2024 mit allen Detailinformationen sowie weitere Informationen zur Agenda 2030 können kostenlos auf der Website von Statistik Austria heruntergeladen werden.
Die Aufzeichnung unseres Round Tables „Mehr als SDG 5“ finden Sie hier.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr Informationen