Fast 160.000 Frauen und Mädchen von Sturzfluten in Nepal betroffen

Kathmandu: Schätzungsweise 157,050 Frauen und Mädchen in den nepalesischen Distrikten Rasuwa und Nuwakot sind direkt oder indirekt von den Sturzfluten betroffen, die am 26. August ganze Gemeinden überschwemmten. Auch im Distrikt Dhading sind weitere Frauen und Mädchen betroffen.

Mehr als 500 Menschen kamen ums Leben, fast 1,000 weitere gelten noch als vermisst. Rund 10,000 Häuser wurden von den Wassermassen zerstört oder weggespült, kritische Infrastruktur wurde schwer beschädigt. Während die Such- und Rettungsarbeiten weitergehen, wird das gesamte Ausmaß der Katastrophe zunehmend sichtbar.

Die Überlebenden leiden nun unter akuter Knappheit an Nahrungsmitteln und Trinkwasser. Gesundheits- und Schutzangebote sind unterbrochen, zugleich steigt das Risiko von Gewalt und Ausbeutung. Besonders gefährdet sind Frauen und Mädchen.

„Das vollständige Ausmaß dieser verheerenden Überschwemmungen wird erst nach und nach sichtbar“, sagte Patricia Fernandez-Pacheco, UN-Women-Vertreterin in Nepal. „Was wir bereits wissen: Wenn Katastrophen eintreten, verschärfen sich die bestehenden Risiken für Frauen und Mädchen dramatisch. Mehr Frauen und Mädchen werden Opfer von Ausbeutung und Gewalt. Wenn Ressourcen knapp werden, leiden mehr Frauen und Mädchen unter Hunger und haben keinen Zugang zu Medikamenten. Und aus früheren Katastrophen gibt es Hinweise darauf, dass Frauen mit größerer Wahrscheinlichkeit ums Leben kommen als Männer.“

Bei Katastrophen sind Frauen und Mädchen grundsätzlich überproportional betroffen. Neben dem erhöhten Risiko von Gewalt und Ausbeutung übernehmen Frauen deutlich mehr unbezahlte Betreuungs- und Pflegearbeit als Männer. Sie müssen häufig weitere Wege zurücklegen, um Wasser zu beschaffen und geraten schneller und tiefer in Armut.

Auch beim Zugang zu Informationen und Hilfsangeboten stehen Frauen vor zusätzlichen Hürden. In den Distrikten Rasuwa, Nuwakot, Dhading, Gorkha und Chitwan ist etwa jede dritte Frau Analphabetin. Dadurch wird es schwieriger, Informationen über Hilfsmaßnahmen zu erhalten, Registrierungsverfahren abzuschließen und eigenständig Unterstützung zu beantragen.

In der Provinz Bagmati wird etwa jeder dritte Haushalt von einer Frau geführt. Ein Drittel dieser Haushalte ist auf Rücküberweisungen von Angehörigen angewiesen – eine Einkommensquelle, die ohnehin bereits stark unter Druck steht.

Im Rahmen der umfassenden Reaktion der nepalesischen Regierung und in Zusammenarbeit mit UN-Organisationen, Frauenrechtsorganisationen und humanitären Partnern arbeitet UN Women daran, sicherzustellen, dass Frauen und Mädchen Zugang zu lebenswichtigen Dienstleistungen und Schutz erhalten und dass ihre besonderen Bedürfnisse bei der Katastrophenhilfe berücksichtigt werden.

UN Women setzt sich außerdem dafür ein, dass Frauen unabhängig Zugang zu Hilfs- und Wiederaufbauleistungen erhalten und gleichberechtigt am Wiederaufbau beteiligt werden können. Dazu gehören unter anderem direkte Unterstützung beim Lebensunterhalt, die Verringerung unbezahlter Betreuungsarbeit sowie der Abbau von Hürden bei Dokumenten, Eigentumsrechten, Sprache und Mobilität.

Als Teil der Hilfsmaßnahmen mobilisiert UN Women derzeit Mittel für die Initiative „Community Kitchen“. Dabei handelt es sich um einen von Frauen getragenen Mechanismus zur Bewältigung von Notlagen, der unmittelbar Lebensmittel bereitstellt und zugleich Möglichkeiten für weibliche Führung, Einkommen und eine längerfristige wirtschaftliche Erholung schafft.

UN Women bittet dringend um 2 Millionen US-Dollar, damit von den Überschwemmungen betroffene Frauen und Mädchen die notwendige Hilfe und den erforderlichen Schutz erhalten können. Dazu gehören auch Frauen und Mädchen, die vertrieben wurden oder einem erhöhten Risiko von Gewalt, Menschenhandel und Ausbeutung ausgesetzt sind.

„Wir brauchen dringend zusätzliche Mittel, um Frauen und Mädchen zu erreichen, die von der Außenwelt abgeschnitten sind, sich in Gefahr befinden oder darum kämpfen, ihre grundlegendsten Bedürfnisse zu decken. Eine Hilfe, die die besonderen Bedürfnisse von Frauen und Mädchen berücksichtigt, kann weiteren Schaden verhindern und dazu beitragen, dass sie sich sicher, selbstbestimmt und in Würde von der Katastrophe erholen können“, sagte Fernandez-Pacheco.