von Katharina Kleinoscheg und Alexandra Hochwarter

Die aktuellen Umstände durch COVID-19 führen zu vermehrter häuslicher Gewalt. Der Verein Autonomer Österreichischer Frauenhäuser, AÖF, der den Betroffenen in Österreich Schutz bietet, hat uns, im Rahmen eines schriftlichen Interviews, die aktuellen Herausforderungen sowie Warnzeichen für Frauen und Mädchen erläutert.  Der AÖF, der mit der Frauenhelpline 0800 222 555 ein kostenloses Beratungs- und Hilfsangebot für Opfer von Gewalt anbietet, bemerkte seit dem Ausbruch der Corona-Krise einen Anstieg von Gewalt gegen Frauen und Kinder. „Im Durchschnitt erreichen uns 22 Anrufe pro Tag, derzeit sind es bis zu 36 Anrufe täglich und die Tendenz ist steigend.“

Besondere Herausforderungen in der aktuellen Situation

Wenn viele Familien die meiste Zeit miteinander zu Hause verbringen, steigt das Risiko von Überforderungen, Stress und Eskalationen. Männer, die zu Gewalt neigen, nutzen diese Situation aus. Denn Quarantänezeiten machen es für gewaltbetroffen Frauen und Kinder schwieriger, sich Hilfe zu holen und z.B. in ein Frauenhaus zu fliehen. Wenn der Gefährder die ganze Zeit zu Hause ist, schränkt das die Möglichkeiten für Frauen sehr ein, ungestört telefonieren zu können. Es wird zu einer Herausforderung, Dinge zu organisieren und einen Koffer mit den wichtigsten Dokumenten, der Kleidung, Medikamenten, Spielsachen und Schulsachen für die Kinder zu packen, um der Situation zu entfliehen.

Es kann auch zu mehr Druck im Zusammenhang mit Obsorgeregelungen, Trennungen und Scheidungen kommen. Auch die aktuellen Situationen von Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit machen die Situation nicht gerade leichter. „Viele Frauen haben Existenzsorgen, weil sie auf staatliche Kindesunterhaltsvorschüsse warten, die spät oder gar nicht ausbezahlt werden. All das bringt betroffene Frauen in große Bedrängnis.“

Umstände, die zu einem Anstieg von Gewalt an Frauen und Mädchen führen

Ein ähnlicher Umstand war die Finanzkrise 2009. Damals ist die schwere Gewalt an Frauen und Kindern gestiegen. Der AÖF erklärt den Anstieg für häusliche Gewalt folgendermaßen: „Eigentlich ist es so: immer dann, wenn Familien eng zusammenleben wie bei Urlauben oder zu Weihnachten, merken wir einen Anstieg der häuslichen Gewalt. Während der aktuellen Krise ist es leider nicht anders.“

Warnzeichen für Gewalt in der Beziehung

Übergriffe an Frauen passieren meist nicht einfach so, sondern es gibt zahlreche Warnzeichen. Einige Beispiele dafür sind: wenn der Partner einer Frau ständig eifersüchtig oder wütend wird, sobald sie Zeit mit ihrem Freundeskreis oder ihrer Familie verbringen will, wenn er versucht sie zu kontrollieren. Die Kontrollsuch kann daran erkannt werden, wenn der Partner ständig wissen möchte, wo sich die Freundin aufhält, was sie anzieht und mit wem sie sich trifft.

Schutz bei diesen Warnzeichen

„Wenn eine Frau sich in ihrer Beziehung verängstigt oder bedroht fühlt, ist es sehr wichtig, die eigenen Gefühle ernst zu nehmen und auf das Bauchgefühl zu hören.“

Frauen, die diese Warnzeichen in ihrer Beziehung bemerken, können sich jederzeit, rund um die Uhr, an die Frauenhelpline wenden und in einer akuten Gefahrensituation die Polizei kontaktieren. Während der Krise können sich Frauen und Mädchen unter https://www.haltdergewalt.at/ täglich von 15 bis 22 Uhr beraten lassen. Sowohl bei der Frauenhelpline als auch beim HelpChat bietet der AÖF ein mehrsprachiges Angebot.

Der AÖF weiß: „Je früher sich Frauen Hilfe holen, desto besser ist es für sie. Beim ersten Übergriff – sei es verbal oder körperlich. Auch Worte bzw. Beschimpfungen können verletzen. Erfahrungen zeigen, dass ein Anruf in der „Frühphase“ einer sich entwickelnden Gewaltbeziehung, sehr viel Gefahr und Leid für die betroffene Frau abwenden kann. Daher raten wir: sobald eine Frau in ihrer Beziehung kontrollierendes Verhalten des Partners bemerkt und sich verängstigt oder bedroht fühlt, sollte sie Hilfe holen. Ein Anruf bei der Frauenhelpline kann Leben retten!“

 

Drei Tipps zum Schutz vor Gewalt

  • Abschließend gibt der AÖF allen Frauen und Mädchen noch drei Tipps zum Schutz vor Gewalt mit:
    Hören Sie auf Ihr Bauchgefühl! Wenn Sie sich unsicher sind, Angst haben oder bedroht fühlen, holen Sie sich Hilfe!
  • Frauenhäuser bieten auch in Zeiten der Corona-Krise Schutz und Unterstützung.
  • Wenn Sie bemerken, dass in der Nachbarwohnung Gewalt passiert (Schreien, Poltern, etc.), dann unterbrechen Sie die Gewalthandlung, indem Sie anläuten und nach etwas Unverfänglichem fragen, z.B.: ob Sie sich etwas Zucker oder eine Rolle Toilettenpapier ausleihen können.

 

 

Merkmale einer Beziehung die gut tut

Eine respektvolle Beziehung, die gut tut, können Sie zum Beispiel an folgenden Beispielen erkennen:

·       Zeit miteinander verbringen, aber jede/r hat auch Zeit für sich alleine

·       ein respektvoller Umgang wird pflegt, auch bei unterschiedlichen Interessen, Einstellungen, Wünschen und Bedürfnissen

·       Gefühle können offen und ehrlich zum Ausdruck gebracht werden, auch zum Thema Intimität und Sex

·       einander respektieren und akzeptieren, auch wenn man nicht immer der gleichen Ansicht ist

·       sich aufeinander verlassen können

·       Vertrauen zueinander haben