Österreich zählt zu den Ländern mit hohen geschlechtsspezifischen Lohnunterschieden, was im europäischen Vergleich auffällig ist. In unserem Gespräch beim Round Table am 14.03.2024 mit Martina Ernst, der CEO von FairEqualPAY und SalaryNegotiations, wurden Themen wie der Gender Pay Gap, Fair & Equal Pay und Lohntransparenz diskutiert, mit dem Ziel, Verbesserungen sowohl für Unternehmen als auch für Frauen in Gehaltsverhandlungen zu erreichen.

Martina Ernst ist eine Expertin auf diesem Gebiet, mit langjähriger Erfahrung in Managementpositionen und als Personalchefin der Erste Bank Österreich. Sie betont, dass „Fair & Equal Pay“ bedeutet, für gleiche Arbeit mit vergleichbarer Kompetenz und Leistung das gleiche Gehalt zu erhalten. Aktuelle Statistiken zeigen jedoch, dass der Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen in Österreich bei 18,4 % liegt, was deutlich über dem EU-Durchschnitt von 12,7 % ist. Dieser Unterschied spiegelt sich auch in der Pension wider, wo Frauen im Schnitt um 41,1 % niedrigere Renten als Männer haben.

 

Ein bedeutender Faktor für diese Diskrepanz ist die hohe Teilzeitquote von Frauen in Österreich, die bei 50,7 % liegt, verglichen mit dem EU-Durchschnitt von 29,1 %. Darüber hinaus tragen Frauen nach wie vor den größten Teil der unbezahlten Arbeit wie Hausarbeit und Kinderbetreuung, selbst wenn sie mehr Erwerbsarbeit leisten als ihre männlichen Partner.

Um dieses Ungleichgewicht zu korrigieren, schlägt Martina Ernst mehrere Lösungsansätze vor. Dazu gehört eine Überarbeitung von Rollenbildern, um geschlechtsspezifische Zuschreibungen, die bereits in der Kindheit beginnen, zu verändern. Zudem fordert sie mehr Unterstützung für Frauen in männerdominierten Branchen wie dem MINT-Bereich und eine Aufwertung frauendominierter Berufe wie der Pflege.

Martina Ernst betont auch die Wichtigkeit von Role Models, Mentoring und Netzwerken, die Frauen ermutigen und ihnen Orientierung bieten können. Unternehmen sollten Maßnahmen wie offizielle Stellenausschreibungen, Quoten, Gehaltstransparenz und flexible Arbeitsmodelle umsetzen, um die Arbeitsbedingungen für Frauen zu verbessern. Darüber hinaus empfiehlt sie, flächendeckende Kinderbetreuung und eine gleichberechtigte Aufgabenverteilung in Partnerschaften zu fördern.

Der derzeitige Arbeitsmarkt bietet günstige Bedingungen für Veränderung, da Unternehmen aufgrund von Pensionierungswellen und einem steigenden Fokus auf Diversität unter Druck stehen, attraktive Arbeitsbedingungen zu schaffen. Martina Ernst ermutigt Frauen, ihren Marktwert zu reflektieren, ihre Leistungen sichtbar zu machen und hartnäckig in Gehaltsverhandlungen zu sein.

 

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