Wir übergeben das Mikro an Frauen und Männer an vorderster Front, an diejenigen, die gegen COVID-19 und gegen die unerbittliche und ansteigende Pandemie der Gewalt gegen Frauen und Mädchen kämpfen. Dies sind die Stimmen von Überlebenden, wichtiger Arbeiter_innen und Anführer_innen, die uns sagen, was dringend ist, und wie wir die eskalierende Gewalt stoppen, uns von COVID-19 erholen und wiederaufbauen können.

„Ich war im fünften Monat schwanger, als wir von Myanmar nach Bangladesch flohen.
Es dauerte sieben Tage, durch die Landschaft zu wandern. Es war eine verheerende Reise – wir hatten nicht einmal ordentliches Essen. Ich war gebrochen und erschöpft.

Minara. Photo: UN Women/Mahmudul Karim

Als ich die Camps in Cox’s Bazar erreichte, nahm ich an einem Ernährungsprogramm teil. Seitdem hatte ich die Möglichkeit, eng mit humanitären Akteur_innen von NGOs und den Vereinten Nationen zusammenzuarbeiten. Ich habe viel über Geschlechtergleichstellung und Menschenrechte gelernt. Als wir in Myanmar waren, waren wir uns dieser Dinge nicht bewusst, und die Rohingya-Frauen wussten nicht, dass sie Rechte haben. Nachdem ich an vielen Trainings von UN Women und UNHCR über geschlechtsspezifische Gewalt, Kinderheirat und Schutz vor sexueller Ausbeutung teilgenommen habe, bin ich selbstbewusster und entschlossener, meiner Gemeinschaft zu dienen.

Während dieser Pandemie habe ich Sensibilisierungs-Sitzungen mit Rohingya-Frauen und -Mädchen in den Flüchtlingslagern über persönliche Sauberkeit und Hygiene, Händewaschen und darüber, wie man mit COVID-19 umgehen kann, durchgeführt. Ich habe auch Informationen über die Prävention von sexueller Ausbeutung und sexuellem Missbrauch gegeben, da aufgrund der Abriegelungsmaßnahmen die Gefahr erhöht ist, dass weniger humanitäre Akteur_innen im Camp anwesend sind. Ich informiere Frauen, wie und wo sie Missbrauch melden können, einschließlich Kinderehen.

Kinderehen sind einer der Hauptgründe für häusliche Gewalt, erzwungene und unsichere Schwangerschaften und Abtreibungen in den Flüchtlingslagern hier. Ich bin verantwortlich für die Durchführung von Aufklärungssitzungen für 40 Blocks innerhalb meines zugewiesenen Camps. Aufgrund von COVID-19 bevorzugen wir Einzelsitzungen, halten einen sicheren physischen Abstand und halten Hygienemaßnahmen während der Sitzungen ein. Ich unterstütze und überweise die Opfer von Kinderehen an die verantwortlichen Büros und ich schicke Überlebende an das UN Women «Multi-Purpose Women Centre», wo sie psychosoziale Unterstützung und Trainings erhalten können.

Wie können Sie helfen?

 

Letzte Woche kam ein 16-jähriges Mädchen zu mir und sagte, ihre Eltern würden sie zwingen, einen Mann zu heiraten, der doppelt so alt ist wie sie. Ich traf mich mit ihren Eltern und informierte sie über die negativen Folgen von Kinderehe. Ich sagte ihnen, dass es verheerend für sie und die psychische und körperliche Gesundheit ihres Kindes sein würde, wenn sie schwanger würde. Die Scheidungsraten sind bei Kinderehen höher. Es ist auch illegal (eine Frau unter 18 Jahren zu heiraten), so dass sie nicht in der Lage wären, die Ehe zu registrieren. Ohne Registrierung wäre die Ehe nicht rechtsgültig, und wenn sie geschieden würde, würde sie nicht einmal Unterhalt erhalten.

Während des Gesprächs verstand ich, dass die Eltern ihre Tochter verheiraten wollten, weil sie um ihre Sicherheit besorgt waren. Ich sagte ihnen, dass die Ehe eine größere Chance hätte zu scheitern, und dann würde sie in noch größeren Schwierigkeiten sein. Schließlich gelang es mir, sie zu überzeugen.

Ich glaube, dass Rohingya-Frauen und -Mädchen unglaublich intelligent sind – ihre Köpfe sind schärfer als Computer. Aber sie brauchen Zugang zu Bildung, um ihre Situation zu verbessern.“

 

UN Women-Programme
bekämpfen geschlechtsspezifische Gewalt und unterstützen Überlebende

Minara* ist Gemeindearbeit-Freiwillige und Rohingya-Flüchtling und -Überlebende, die im August 2017 vor dem Konflikt in Myanmar geflohen ist. Als Volontärin in Cox’s Bazar, Bangladesch, ist sie Teil eines UN Women Programms, das geflüchtete Frauen befähigt, Entscheidungsprozesse in den Flüchtlingslagern zu führen und sich an ihnen zu beteiligen. Freiwillige der Gemeindearbeit  wie Minara informieren Geflüchtete über Prävention von geschlechtsspezifischer Gewalt und sexueller Ausbeutung und Missbrauch, wo sie Hilfe finden können, wenn Frauen und Mädchen Gewalt erfahren, und über Katastrophenvorsorge, da Bangladesch einem erhöhten Risiko von Klimakatastrophen wie Überschwemmungen und Wirbelstürmen ausgesetzt ist.

Seit die Coronavirus-Pandemie das Land erreicht hat, sind freiwillige Helfer_innen zu vertrauenswürdigen Informationsquellen für Geflüchtete zur COVID-19-Prävention geworden. Minara ist auch die Gründerin und Leiterin einer gemeinschaftsbasierten Organisation der Rohingya-Frauen, die ihre Ausbildung und Führungsqualitäten fördert.

Heute leben schätzungsweise 861.545 Rohingya-Flüchtlinge in den Lagern von Cox’s Bazar, Bangladesch, mehr als die Hälfte davon sind Frauen und Mädchen. UN Women und UNHCR arbeiten zusammen, um ein geschlechtergerechteres Lagermanagement zu gewährleisten und die Resilienz von geflüchteten und vertriebenen Frauen und Mädchen zu schützen und aufzubauen. Unsere Arbeit in Bangladesch wird von den Regierungen von Kanada, Deutschland, Japan, Schweden, Australien, den National-Komitees für UN-Women in Australien, Japan, Island, Singapur, Schweden und den USA, sowie von der Tingari Silverton Foundation großzügig finanziert.

 

* Die Protagonistin hat nur ihren Vornamen angegeben.